Sanierungsmanagement & Energieberatung

Neue Mitte Grenzach

Die Gestaltung rund um die Neue Mitte Grenzach nimmt seit Jahren Fahrt auf. In 2018/2019 ließ die Gemeinde Grenzach-Wyhlen ein energetisches Quartierskonzept erstellen, um die Möglichkeiten einer klimafreundlichen und damit zukunftsfähigen Quartiersenergieversorgung zu prüfen.
 
Handlungsdruck um die neue Mitte liegt vor: Mehr als die Hälfte der Gebäude im Quartier wurde vor der 1. Wärmeschutzverordnung im Jahr 1977 erbaut und weisen einen hohen Energieverbrauch und damit Sanierungsbedarf auf. Aktuell liegt der Wärmebedarf des Quartiers bei rund 16 Mio. Kilowattstunden Wärme. Bei Umrechnung in klimawirksames Kohlenstoffdioxid mit dem Umrechnungsfaktor von Erdgas entspricht dies einem jährlichen Ausstoß von rund 4.300 Tonnen CO2.
 
Die Handlungsnotwendigkeit gilt auch für die im Herzen der Neuen Mitte Grenzach liegenden kommunalen Gebäude. Diese werden seit 1970 durch Zulieferung von Dampf aus dem Industrieareal (heute DSM Nutritional Products) mit Wärme versorgt. Der CO2-Austoss beträgt jährlich rd. 300 Tonnen.
 
Eine energetische Sanierung vieler Gebäude ist neben einer zukunftsfähigen Energieversorgung daher die große Aufgabe in den kommenden Jahren. „Wir sehen diese große Aufgabe, die vor uns allen liegt. Wir wollen die Bürger-/Innen bei diesem Veränderungsprozess unterstützen. Um unserer Aufgabe, die Gemeinde in eine klimaneutrale Zukunft zu führen, gerecht zu werden, haben wir die Kompetenz- und Koordinationsstelle Sanierungsmanagement bei der Gemeinde Grenzach-Wyhlen eingerichtet,“ betont Bürgermeister Dr. Tobias Benz.
 
Neben dem Aufbau der Kompetenzstelle, welche ebenfalls Beratungsaspekte und Informationsaktionen plant, um die Bürger/Innen bei der zukunftsfähigen Sanierung Ihrer Gebäude zu unterstützen, ist ein Baustein für ein zukunftsfähiges Quartier, eine klimaneutrale Energieversorgung. Wärmenetze insbesondere in Verbindung mit der Nutzung von industrieller Abwärme stellen einen wesentlichen Beitrag für eine klimaneutrale Energieversorgung dar und genau dies wird in Grenzach möglich: Die Projektpartner Energiedienst und DSM Nutritional Products planen gemeinsam die Verwendung von Abwärme der DSM zur Beheizung von Gebäuden in Grenzach verfügbar zu machen. „Wir haben als DSM ein Bekenntnis zum Klimaschutz und freuen uns über diese Möglichkeit in Zusammenarbeit  mit der Gemeinde und Energiedienst einen lokalen Beitrag zur CO2 Reduktion zu leisten.“, hebt Dr. Martin Häfele, Geschäftsführer von DSM Nutritional Products hervor.
 
Um das Nahwärmenetz aufzubauen und die industrielle Abwärme einer Nutzung zuführen zu können, wurde bereits am 8. Januar 2020 ein Gestattungsvertrag zur Erschließung eines Nahwärmenetzes auf dem Gebiet der Gemeinde Grenzach zwischen der Gemeinde Grenzach-Wyhlen und Energiedienst geschlossen. Neben einer Versorgung der kommunalen Gebäude, steht vor allem die Versorgung von privaten Gebäuden im Fokus. „Nahwärmenetzanschlüsse und die notwendige Technik werden aktuell vom Bund stark gefördert mit Fördersätzen von bis zu 45%. Diesen Aufschwung in der Förderlandschaft möchten wir nutzen und Anschlussinteressierte dazu animieren, sich bei unserer Ansprechpartnerin Franziska Baum zu melden. Sie nimmt die Eck- und Kontaktdaten auf", so Klaus Nerz, Leiter der Fachabteilung Wärme- und Energielösungen der Energiedienst AG.
 
Auch Gebäudeeigentümer, deren Energieversorgung in den nächsten Jahren umgebaut werden muss, können sich bereits melden. Auf Basis des Anschlussinteresses wird die weitere Planung des Nahwärmenetzes stetig vorangetrieben. „Wir starten jetzt und gehen gemeinsam voran“, sind sich die Projektpartner einig.
 
„Der Start des Nahwärmenetzes und die kommunale Energieberatung sind nun die ersten Schritte in die richtige Richtung. Beratungskampagnen folgen, sobald dies aufgrund der Corona-Pandemie möglich wird,“ berichtet die neue Sanierungsmanagerin Christine Wegner-Sänger. Denn „cities are, where climate is won or lost,“ was wir heute im Gebäudebestand entscheiden, gilt für die nächsten 20 bis 30 Jahre".

Historie

Die Gestaltung der „Neuen Mitte Grenzach“ wurde bereits 2014 und 2015 in einem intensiven Bürgerdialog vorbereitet. 2016 wurde sie mit einem städtebaulichen Wettbewerb, aus dem der Entwurf „Stadthain“ der Bürogemeinschaft „Salewski & Kretz“, „Weyell Zipse“ und dem „Atelier Loidl“ als Sieger hervorging, und einem nachfolgenden intensiven Rahmen- und Entwicklungsplanungsprozess weiterverfolgt. Derzeit befindet sich der Bebauungsplanung „Zielmatten“ im Planungsverfahren. Das Investorenverfahren wird voraussichtlich im 1. Halbjahr 2021 starten.
 
Das Nahwärmenetz wird sich über das Gebiet der Neuen Mitte Grenzach hinaus erstrecken.
 
Die im Gebiet des energetischen Quartierskonzept der Neuen Mitte Grenzach liegenden kommunalen Gebäude sind aus den Baujahren: Bärenfelsschule (älteste Gebäudeteile aus 1951-1962), Zielmattenhalle mit Hallenbad und Haus der Begegnung mit Feuerwehr (beide 1972). Der Anschluss an die Dampfversorgung stammt aus dem Baujahr.