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Aktuelle Situation der Notbetreuung - Rückkehr zum Regelbetrieb gefordert


In den Kindergärten, Krippen und Schulen von Grenzach-Wyhlen nutzen derzeit 339 Kinder das Angebot der Notbetreuung. Im Kita-Bereich werden 217 Kinder betreut, in den Schulen sind 122. Diese Zahlen gab die Gemeinde in einer Pressemitteilung bekannt.

Die Landesregierung hatte jüngst beschlossen, in den Kindergärten und Krippen einen eingeschränkten Regelbetrieb bis zu einer Kapazität von 50 Prozent der genehmigten Gruppengröße zu ermöglichen. „Mit dieser Ankündigungen wurden bei vielen Familien und Kindern vom Land leider Erwartungen geweckt, die bei der Umsetzung vor Ort leider nicht erfüllt werden konnten“, erklärt Bürgermeister Tobias Benz. Grund ist, dass laut der Corona-Verordnung der Landesregierung die Notbetreuung in den Krippen, Kindergärten und Schulen weiterläuft und Vorrang hat.

„In den meisten Kita-Einrichtungen wurde die Kapazitätsgrenze von 50 Prozent der genehmigten Gruppengröße bereits durch die Notbetreuung erreicht“, ergänzt Bürgermeister. Viele Familien, die die vom Land definierten Kriterien für die Notbetreuung erfüllen, hätten ihren Anspruch auch geltend gemacht. Grund dafür sei, dass immer mehr Arbeitgeber in der Region wieder zu einem Normalbetrieb über gehen und daher Betreuungsbedarf entstehe. „Bei Erreichen der Kapazitätsgrenze gibt es leider keine Möglichkeit mehr, weitere Kinder aufzunehmen“, bedauert Benz und versteht den Ärger vieler Eltern über die enttäuschten Erwartungen.

Die Städte und Gemeinden im Land hätten bereits im Vorfeld gewarnt, dass die sich die Ankündigung der Landesregierung nicht werde umsetzen lassen.  Die große Mehrheit der Familien wünschten sich eine Rückkehr ihre Kinder in die Kita und übrigens auch an die Schulen. Der große Unmut aufgrund der enttäuschten Erwartungen solle direkt an die Landesregierung in Stuttgart platziert werden.  „Vor Ort in Grenzach-Wyhlen haben wir immer im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten die maximalen Betreuungskapazitäten ausgeschöpft, um unseren Familien zu helfen“, so der Bürgermeister.

In den drei gemeindeeigenen Kindertagesstätten stellt sich die Situation wie folgt dar: Die Kita Hebelschule und Löwenzahn haben die 50-Prozent-Grenze mit der Notbetreuung bereits erreicht. Die wenigen noch offenen Plätze im Kinderhaus wurden so verteilt, dass es ein rollierendes System gibt, das jedem Kind eine Rückkehr in die Einrichtungen ermöglicht. „Bei den Einrichtungen der freien und konfessionellen Träger obliegt es der jeweiligen Leitung, vorhandene freie Plätze, die über die Notbetreuung hinausgehen nach einem Kriterienkatalog zu verteilen“, schreibt die Gemeinde in einer Pressemitteilung.

Ausdrücklich dankt der Bürgermeister den Erzieherinnen und Erziehern für ihre engagierte Arbeit und ihren großen Einsatz unter den derzeitigen schwierigen Bedingungen.
Die Gemeinde habe die Empfehlung ausgesprochen, im Rahmen der räumlichen und personellen Ressourcen möglichst viele Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Dies sei angesichts der großen Nachfragen aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bürgermeister Benz fordert bereits seit Wochen von der Landesregierung angesichts der stark rückläufigen Corona-Infektionszahlen einen verbindlichen Fahrplan für eine baldige Rückkehr zum Regelbetrieb. „Die Situation vieler Kinder und Familien und die sozialen Folgen der Kita- und Schulschließungen wird von der Landesregierung leider viel zu wenig berücksichtigt“, kritisiert Benz.

Infektionsschutz sei wichtig. Diesem Ziel dürften das Kindeswohl und die Entwicklungschancen von Kindern aber nicht ungeordnet werden.  Am gestrigen Tag kündigte die Landesregierung nun für Ende Juni eine komplette Wiederöffnung der Kindergärten, Krippen und Schulen an.  „Dies ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, das Land setzt aber leider seine zögerliche Lockerungspolitik fort“, kritisiert der Grenzach-Wyhlener Bürgermeister, der sich eine mutigere Entscheidung gewünscht hätte.

Eine Schließung von Kita und Grundschule für weitere vier Wochen sei für die betroffenen Familien nicht vermittelbar und verschärfe die negativen Folgen für die Kinder. Gerade für Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen und mit Förderbedarf, aber auch für viele Familien, die auf eine Betreuungsmöglichkeit angewiesen sind, sei dies eine Katastrophe. Die stundenweise Rückkehr an die Grundschulen, gepaart mit Homeschooling sei auch kein dauerhaftes Äquivalent für den regulären Unterrichtsbetrieb. Es bestehe die begründete Gefahr, dass die Schülerinnen und Schüler ein komplettes Halbjahr verlieren.  Dies sei nicht zu verantworten.

„Ich fordere die Landesregierung mit Ministerpräsident Kretschmann auf, im Kita-Bereich eine sofortige Rückkehr zum Regelbetrieb zu ermöglichen und nicht bis Ende Juni zu warten“, so Benz. Für Grundschule und weiterführende Schule solle nach den Pfingstferien so schnell wie möglich die Rückkehr erfolgen. „Hier bedarf es endlich mutigen Handels im Interesse unserer Kinder, Jugendlichen und Familien“, schreibt der Bürgermeister abschließend. Andere Länder, wie etwa die Schweiz, hätten gezeigt, wie eine schnelle Rückkehr zum Regelbetrieb gelingen kann oder hätten während der Corona-Pandemie ihre Kita und Schulen erst gar nicht geschlossen.